Donnerstag, 13. Februar 2014

Training allein zu zweit, Teil 3.

»Frau Dua, hatten Sie viel Stress in der letzten Zeit?«
»Na ja, ich werde gerade erwachsen, bin dabei eine Familie zu gründen, ziehe demnächst in mein erstes ganz eigenes Eigenheim, passe nicht mehr in meine Lieblingshosen und kann nur unter großer Anstrengung Schuhe binden. Was genau meinen Sie?«
»Gut. Ab sofort keinen Sport mehr. Nichts Schweres mehr tragen. Sie sollen sich ausruhen! Wir sehen uns in zehn Tagen und gucken, ob dann wieder alles in Ordnung ist.«

Training allein zu zweit. Das ist übrigens gelogen. Zumindest, was die zehn Tage angeht (inzwischen ist das zwei Wochen her …). Wobei – reine Auslegungssache. Die Füße still zu halten und nichts zu tun, auch das kann Training sein. Ein schwierigeres als ich zugeben will. Fieser als Burpees, Liegestütz und Intervalle zusammen. Ein Trainerkollege erzählte mir mal, dass manche asiatische Kampfsportler bewusst eine zweimonatige Trainingspause einlegen, um dann  gestärkt und mit neuem Schwung wieder in eine erfolgreichere Wettkampfphase zu starten. Ich versuche das zu beherzigen. Und doch …

Mit hängendem Kopf verlasse ich die Praxis. Ich nehme die Treppen. Langsam, vielleicht ist das sonst zu anstrengend. Ein bisschen hat’s mir den Boden unter den Füßen weggezogen, denn kein Sport heißt, nicht nur nicht laufen, es heißt halt leider auch, nicht so richtig arbeiten und irgendwie ausgeschlossen zu sein aus meiner Fitnesswelt. Zehn Tage! Ich drehe durch. Alles ist durcheinander, mein Tagesablauf, meine Gedanken.

Beim Einkaufen lege ich frisches Obst in den Wagen: Orangen, Grapefruit, Ananas, Äpfel und Milch, Joghurt, Quark. Verdammt, ich bin zu Fuß. Ist das nun zu schwer? Ich lasse Milch und Joghurt zurück, nehme stattdessen noch ein paar Tafeln Schokolade.

Die ersten drei Tage sind die Hölle. Die Sonne scheint, perfektes Laufwetter.
»Lass uns im Park spazieren gehen!«, schlägt eine Freundin vor. Spazieren? Auf gar keinen Fall. Ich will unter keinen Umständen einem Läufer begegnen! Ich lese. Unter anderem dieses Buch, was ich geschenkt bekam und sportlichen, werdenden Müttern empfehlen kann.* Ich löse Kreuzworträtsel, um mich abzulenken (was ich sonst nie mache), esse tonnenweise Schokolade und suhle mich in meiner traurigen Bewegungslosigkeit. Ich mag nicht reden, Freunde müssen mich entweder hassen oder für wahnsinnig halten. Mag sein, vielleicht bin ich’s. Am vierten Tag beginne ich, mich selbst zu nerven, nehme eine Essenseinladung an und bekomme prompt bessere Laune. 
Dann endlich Tag 10!
Wenn nichts mehr hilft, dann das.
»Wie geht’s Ihnen Frau Dua?», will der Arzt wissen. »Mittel.«, sag ich, mir fehlt Bewegung. Der Arzt lacht, was ich nicht verstehen kann und sagt, dass der Zuckerbelastungstest ganz ausgezeichnet war. Ist mir aber egal. Und dann sagt er: »Sehr gut. Sehen Sie, was ein bisschen Ruhe ausmacht? Alles okay.« Ich freu mich, als hätt ich Geburtstag. »Ich darf also auch wieder Sport machen?« – »Ja, ja. VORSICHTIG!«

Sofort wäre mein altes, unvorsichtiges Ich nach Hause gestürmt, hätte sich die Laufklamotten angezogen und wäre losgerannt. Mein neues, vorsichtiges, Erwachsenen-Mutter-Ich packt die Sporttasche und fährt ins Studio, belegt für zwanzig Minuten das Spinning-Bike und radelt ganz moderat, versucht sich an ein paar unverfänglichen Bodyweight-Übungen. Es fühlt sich großartig an, so nach zehn Tagen.


Ein recht ungewohntes Geständnis. Von  mir.
Inzwischen glaube ich, es war ein taktischer Schachzug des Arztes, mein Level runterzufahren. Er hat es geschafft. Erst nach drei Tagen schnüre ich meine Laufschuhe für eine kurze Strecke, die – wie ich mir eingestehe – absolut angemessen ist. Danach lege ich mich aufs Sofa, mache Kreuzworträtsel – und spüre fidele Tritte und beherzte Boxmoves im Bauch … Hab verstanden.


Wenn Euch das Thema interessiert, die Vorgängergeschichten findet Ihr hier: »Training allein zu zweit, Teil 1« und »Training allein zu zweit, Teil 2« 

*Offensichtlich gibt es eine Menge Ratgeber zum Thema Sport & Schwangerschaft. Aber kein Buch ist dabei, dass sich an WIRKLICH ambitionierte Freizeitsportler richtet, von denen es heutzutage ja immer mehr gibt. Dieses hier erscheint mir noch am hilfreichsten von allen. Falls jemand noch andere Tipps hat, gerne her damit! 


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