Dienstag, 14. Januar 2014

Menschen im Fitnessstudio.


Wer derzeit nicht gut aufpasst, kann schon mal 'nen fremden Po im Gesicht oder 'nen Ellbogen in der Rippe haben. Außerdem muss man höllisch aufpassen, dass einem nicht die neuen Sportschuhe oder die gerade noch ergatterten Handtücher gezockt werden. 
Kurz: In der Umkleidekabine, die ohnehin schon fürchterlich ist, ist es zu Beginn des Jahres noch sehr viel fürchterlicher. Es herrscht Hochbetrieb im Fitnessstudio.

Die Atmosphäre ist geschwängert von lauter guten Vorsätzen. Und vier Wochen später, schwupps, haben sich die Gute-Vorsätze-Menschen deutlich dezimiert. Nach weiteren vier Wochen sind von ihnen nur noch etwa 10% übrig und die mischen sich dann unter die regelmäßig Trainierenden. Vielleicht werden sie zu denen, die Ihr hier im Video seht. Oder womöglich werden sie auch zu denen, die später ganz skurrile Eigenschaften entwickeln, wie … 

1. Die Frau mit dem Koffer
Sie kommt zu festen Zeiten drei- bis viermal die Woche. Im Schlepptau hat sie immer einen riesigen Trolley, dessen Inhalt mir bis heute Rätsel aufgibt. Was mag da nur drin sein? Eine exorbitant große Sammlung an Schminkutensilien? Fünf Paar Sportschuhe? Ich hab keine Idee. Das Fitnessprogramm der Frau mit dem Koffer ist straff. Sie begibt sich immer 90 Minuten aufs Liegefahrrad. Nie ohne ein dickes Buch vorn auf der Ablage. Manchmal unterstreicht sie sogar Passagen mit neonfarbenen Stiften. Es ist gar nicht so lange her, da kam ich zufällig mit ihr ins Gespräch. Nicht überraschend: eine kluge Frau. Aber natürlich wagte ich nicht, sie auf ihren Koffer anzusprechen … 

2. Das Strichmännchenmädchen
Typisch Strichmännchenmädchen:
dünne Beine, dünne Arme – derbes Training.
Es gab Zeiten, in denen ich mich als Noch-Nicht-Trainerin wahnsinnig über Trainer und Fitnessstudios echauffieren konnte, weil niemand etwas tat. Weil niemand den spindeldürren Mädels sagte, dass es nicht gut ist, stundenlang die Ausdauer zu trainieren, wenn man nur aus Haut und Knochen besteht. Heute weiß ich, dass manche spindeldürre Mädchen sehr wohl von Studioverantwortlichen zur Seite genommen und vorsichtig auf ihr Aussehen angesprochen werden. Ja, man erteilt ihnen zuweilen sogar Studioverbot – an das sie sich nicht immer halten. Jetzt als Trainerin weiß ich, wie schwierig bis unmöglich es ist, das Thema korrekt anzusprechen. Die meisten spindeldürren Mädels wissen nämlich, dass sie ihrer Gesundheit keinen Gefallen tun – ändern können oder wollen sie es alleine häufig dennoch nicht. Und so begegne ich immer wieder diesem und jenem Strichmännchenmädchen, das sich völlig verausgabt. Und jedes Mal, wenn ich eins sehe, tut's ein bisschen weh.


3. Die Frau, die sich verbiegen kann
Eine Mischung aus Bewunderung und Entsetzen überkommt mich, wenn ich die Yogafrau entdecke. Sie hat sich – wie immer – in einer Ecke versteckt. Nach ihrem Workout dehnt und verrenkt sie sich dort stundenlang und zwar so, wie ich es mir nicht mal in meinen kühnsten Träumen vorstellen kann: Hier schmeißt sie mal eben die Beine nach hinten, schlingt die Arme fünfmal um den Rumpf, verbiegt den Rücken, verdreht den Kopf. Ich staune jedes Mal mit offenem Mund und ungläubigem Blick. Das muss ein Trick sein … Ich schwör Euch, ich komm noch drauf!


4. Der Mann mit den Handschuhen
Er erinnert mich stets ein bisschen an die frühen Rapper aus den 80ern. Ihr wisst schon, die die immer so cool den Robot-Dance mit weißen Handschuhen zum Besten gaben. Ob Bodenübungen auf der Matte oder ein Workout an den Geräten, der Mann trägt zu seinem Sport-Dress immer seine Handschuhe. Irgendwann erzählte er mir, dass er eine Kontaktallergie habe und darum die Handschuhe trüge. Leuchtete mir ein – fast war ich enttäuscht. 

5. The Rock
The Rock.
Quelle: Wikimedia. Eva Rinaldi.
Er ist groß. Er guckt freundlich und er hat unglaubliche Muskeln. Heimlich nenne ich ihn »The Rock«, weil sich seine Ähnlichkeit mit Dwayne Johnson einfach nicht leugnen lässt. Es gibt wirklich nichts an ihm, das man kritisieren könnte. Sein Verhalten ist tadellos – selbst die unfassbar schweren Gewichte, die er stemmt, räumt er nach seinem Training ganz brav wieder weg. »The Rock« ist der perfekte Fitnessstudiobesucher und ich wäre überhaupt nicht überrascht, wenn er Medizin studieren würde oder  der Präsident einer Hilfsorganisation für bedürftige Kinder wäre. Oder beides gleichzeitig.

Wenn ich mir etwas für die Zukunft aller Fitnessstudios wünschen dürfte, dann wäre es dies: mehr Leute wie »The Rock«, bitte!

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