Freitag, 29. Juni 2012

Muskelaufbau galore.

Das war nicht ich. Das war der Hulk.
Freunde, wie soll ich diesmal anfangen? Gut. Fall ich mit der Tür ins Haus: Meine Hosen passen nicht mehr. Ihr dürft gerne lauthals lachen. Für mich bricht eine kleine Welt zusammen. Inzwischen kann ich immerhin drüber schreiben. Reden fällt noch etwas schwer. Ihr ahnt ja gar nicht, was passiert ist. Es ist nämlich so: Ich hab alles richtig gemacht. Keine Angst, selbst beweihräuchern liegt mir fern. Im Gegenteil. Ich bin völlig unzufrieden mit mir!

Seit nunmehr einem Jahr bin ich selbstständig. In dieser Zeit, habe ich gelernt, wieder mehr zu schlafen. Mehr Pausen zu machen. Ausgewogener zu essen und so viel Sport zu treiben, wie es  mir gefällt. Und da ist auch schon der Haken. Denn genauso fördert man den Muskelaufbau. Und verdammt ja, mein Körpergold wächst und gedeiht. Etwas zu rege nach meinem Geschmack. Als neulich meine Lieblingshose riss dachte ich noch »Ja, verdammt. Ich hab die auch echt oft getragen …« Als ich in mein Lieblingskarohemd schlüpfe und feststelle, dass Arme anspannen und strecken nicht mehr geht, ignorierte ich das. Es ging nicht lange gut … »Nä, ich seh nix. Du siehst aus wie immer«, wollen mir nahestehende Menschen weismachen, was nicht stimmten kann. Die Kleidung spricht eine zu deutliche Sprache. 
Also halte ich fest: Ich esse (viel) wie immer. Ich trainiere bewusster (keine Gewichte, mehr mit dem eigenen Körpergewicht), laufe länger und häufiger. Ich diskutiere wild mit versierten Kollegen, grüble, suche nach Lösungen und komme zum Entschluss, es gibt nur diese Möglichkeiten.

Möglichkeit 1:
Ich ändere meine Ernährung = vor allem weniger Kohlenhydrate, weniger Eiweiß (etwas weniger Schokolade). Ich hab’s versucht. Mit dem Ergebnis, dass ich ständig unterzuckert bin. Bei viel Training benötigt der Körper natürlich viel Energie in Form von Kohlenhydraten. Sind die nicht da, fühlt sich das sehr unangenehm an. Eiweiß ist der Hauptbestandteil der Muskeln, je weniger man davon isst, desto weniger sollten die Muskeln wachsen. Auch das habe ich (absurderweise) versucht. Mit dem Ergebnis, dass ich nach harten Trainings schlechter regeneriere und länger und doller Muskelkater habe.

Möglichkeit 2:
Ich ändere mein Training = keine Treppenläufe mehr, keine Burpees, kein Intervalltraining mit Sprints, kürzere und weniger Läufe. Ich hab’s versucht. Mit dem Ergebnis, dass mir genau das Training fehlte, weil es mir so unglaublich viel Vergnügen bereitet.

Möglichkeit eins und zwei machen überhaupt keinen Spaß. Die scheiden aus. Bleibt nur noch … 

Möglichkeit 3: 
Ich ändere meinen Kleidungsstil = ich werde einfach zur konsequenten Jogginghosenträgerin (hab ja genug). Sind enge Hosen nicht eh out? Und heißt es nicht auch neuerdings »Strong ist the new skinny?« 


Na, bitte. Kann also weitergehen … Gibt's irgendwo Kuchen?

Mittwoch, 20. Juni 2012

Fremdgehen.

Der Motobécane-Oldtimer aus den 80ern.
Ich hab’s getan! Ich habe es betrogen. Mein liebstes Hobby hab ich mit einem anderen hintergangen. Ja, hört an dieser Stelle ruhig auf zu lesen. Straft mich mit Missachtung, beschimpft mich, wendet Euch ab. Ich hab’s nicht anders verdient.
Alles begann so harmlos. Mit einem Grillabend, an dem ich zum wiederholten Mal salopp den Wunsch äußerste, endlich ein Rad zu besitzen. Nach knappen 15 Jahren ist so ein eigenes Zweirad echt wieder angesagt.
»Ich hab da noch eins, weißt Du ja!«, sagte mein Onkel Helmut zu mir. (In Wahrheit sagte er »Isch hab do jo noch eens. Weeescht jo!«) Und ja, ich kannte das Rad von dem er sprach noch aus meinen Kindertagen. Ein schmuckes Rennrad – schon damals fand ich’s cool, aber ich war zu klein, um auch nur annähernd mit den Füßen an die Pedalen zu kommen. Heute bin ich immer noch klein, aber an die Pedalen komm ich jetzt richtig gut ran. Ich hab’s getestet. Mehrmals. Onkel Helmut befreite das coole Rad aus seinem Gefängnis namens Dachboden und ich drehte fortan meine Runden. Erst vorsichtig. Dann ziemlich rasant. Schon nach ein paar Metern war klar: Ich muss das haben! Ich muss es einfach mit in den Norden nehmen. Eine gefühlte Ewigkeit dauerte es, bis das Rad in Hamburg ankam. Jetzt ist es da – und leider auch schon wieder weg: Ich hab’s zu Minks Bike Shop in die Osterstraße gebracht und da wird’s erst mal ordentlich aufpoliert. Es bekommt z.B. blaue Reifen (goldene gab’s nicht)! 
Trotz meiner großen Freude weiß ich doch: Ich benehme mich liederlich. Meine große Liebe Laufen leidet. Ich hab ein unbändig schlechtes Gewissen, weiß aber: Ich werde das Laufen immer wieder betrügen müssen. Das Rennradfahren macht einfach zu viel Spaß. Und überhaupt: Ich hab zwei Berufe, zwei Heimatorte – kann ich nicht auch zwei Lieben gleichzeitig haben? Mann, ich weiß echt nicht, wie Ihr Triathleten das macht. Eine dritte Disziplin wär mir definitiv zu kompliziert. Gut, dass ich nicht schwimmen kann!