Dienstag, 15. Mai 2012

Retro Food.

Damals wie heute steckt viel Spaß in Toffifee –
die Werbespots von Storck hingegen, sind ziemlich unlustig …
Alle reden sie über Functional Food. Über Junkfood. Über Brain Food. Was ist mit Retro Food? 
Neulich hab ich mich an »Flair« erinnert. Kennt das noch wer? Dieser rosafarbene Nachtisch aus der Dose? Ich habe ihn geliebt! Aber nicht um alles in der Welt möchte ich heute erfahren, was da so drin war. Das Gesündeste müssen die Himbeeren gewesen sein – die, die vorne auf der Dose abgebildet waren. Und apropos Dose: Das Leibgericht meines besten Kinderfreundes waren Ravioli. Ich glaube, er aß sie täglich. Mir schmeckten die damals auch ganz gut. Wer allerdings heute den Film »Canned Dreams« schaut, möchte all die bis dato vertilgten Ravioli gerne wieder zurückgeben. Wenn früher keine Ravioli da waren, konnte man immer noch ganz gut Toast Hawaii essen. Das ging ja ruck, zuck: wabbeliges Weißbrot auf den Teller, Schinken und Ananasringe aus der Dose dazu, dann der gute Scheiblettenkäse zuoberst. Ekelt Ihr Euch? Also ich mich schon. 
Wenn man so zurückblickt, ist es erstaunlich WIE sehr sich Nahrungsmittel und Essgewohnheiten mit uns und mit der Zeit verändert haben. Hätte wer vor zwanzig Jahren gewusst, wie man mit einer Ingwerknolle umgehen soll? Aber auch Getränke haben sich geändert. Als Kind trank ich nur »süßes Sprudel«, wie der Pfälzer sagt. Und zwar ausnahmslos »Diana Quelle«, die in fiesem Pissgelb in der Flasche schimmerte. Heute trinkt man lebendiges Wasser, das bei Vollmond abgefüllt wurde. Oder ganz schlicht: Wasser aus der Leitung. Mal ’n Smoothie oder frisch Gepresstes. Während meiner Studentenzeit schleppte ich – unter völligem Unverständnis meiner Mitbewohnerinnen übrigens – palettenweise Lipton Eistee in die WG. Heute würde ich nicht mal mehr den Tetrapack anrühren wollen, so sehr fürchte ich die Unmengen an Zucker darin. Hatte ich doch wahrlich genug davon. Schließlich habe ich in meiner Kindheit so viele Toffifees gegessen, dass die Firma Storck zu Ruhm und Reichtum kam. Mein Geld fließt heute in die vielen schlechten Werbespots. »Zusammener« fühlte ich mich beim Verzehr nie sonderlich, denn eine Packung Toffifee hab ich immer schön allein gegessen. Schade. Denn geteiltes Leid, wär halbes Leid gewesen. So landete alles Üble in meinem Magen. Meine größte Retro-Food-Sünde aber war: Eiskonfekt. Das in den Spitztüten und in den bunten Plastikfolien, die man so lustig auseinanderziehen konnte. Täglich eine Tüte. Heute hätte ich nicht schlecht Lust dazu, meine Eltern dafür zu verklagen, dass sie mir erlaubt haben, all das zu essen. Warum haben sie das zugelassen? 
Aber man muss den Tatsachen ins Auge sehen: Es kann mir nicht so sehr geschadet haben. Ich lebe noch. Und wer weiß schon, was man in zwanzig Jahren über den Sinn und Unsinn von Vollkornmehl, Maiswaffeln, Kräutertees, Reis- und Mandelmilch oder Smoothies sagen wird. 

Kommentare:

Matthias G. hat gesagt…

Schrecklich.. Schrecklich wie ich mich hier wieder entdecke... :-). Flair Dessert.. das Zeug habe ich geliebt! So ein rosa farbener Glibber den man aus der Dose quälte und dann die Dose mit Milch auffüllte und beides schön glatt rühren musste.
Ich hatte als Kind mal einen bösen Fahrradunfall mit dicker Lippe und durfte dann den ganzen Tag Flair Dessert essen(was anderes passte auch nicht rein) *schüttel* :-)

Außerdem immer nur weiße Brause.. oder manchmal Punica O-Saft... und Ravioli waren auch klasse... gerne auch kalt.. *brr*

Zum Glück haben wir das überlebt ;-)

KÖRPERGOLD hat gesagt…

Matthias, die Geschichte mit dem Fahrradunfall (eigentlich ja nicht lustig) ist großartig: einen Tag lang Flair! Ich weiß auch noch, dass ich immer total gerne mit einem Holzkochlöffel den Glibber im Topf gerührt habe. Toi, toi, toi – auf dass wir keine Langzeitschäden erleiden … :o)