Mittwoch, 28. Dezember 2011

Beckenbodenboom.

Das Mysterium Beckenboden.
»Hey, Du da hinten mit dem Beckenboden. Sei still und setz Dich hin!«
Mir wird warm. Ich glaube, ich werde rot, aber ich tue, wie mir befohlen: Ich bin still und setze mich hin. Auf meinen Beckenboden. Und als ich nach oben blicke, kreisen sie da über mir, die Beckenböden. Dutzende … Dann wache ich schweißgebadet auf. Ich bin auf dem Sofa eingenickt, aber augenblicklich fällt es mir wieder ein: Ich MUSS DRINGEND mehr über den Beckenboden recherchieren. Denn tatsächlich wurde ich in den letzten drei Monaten ca. 485 Mal gefragt, wie man am besten den Beckenboden trainiert – und ich gebe zu, das hat mich verwirrt. Was ist da passiert? Auf einmal will keine Sau mehr Bauch-, Beine-, Po-Übungen haben, alle wollen den Beckenbodenmuskel kräftigen. Das macht mich nervös. Ich google. Stundenlang kämpfe ich mich von TenaAlways über zweifelhafte Animationen wie diese hin zu Wikipedia. Studiere Seiten, die Anatomie und Physiologie erklären und finde eine Menge heraus. Zum Beispiel, dass man den Beckenbodenmuskel auch den Liebesmuskel nennt (pah! – das erklärt alles). Und ich finde kryptische Übungsanleitungen wie »Legen Sie beide Hände auf den unteren Bauch, schieben Sie die Sitzknochen zueinander, ziehen Sie gleichzeitig den Nabel nach innen und zu den Rippen nach oben.« oder »Legen Sie sich auf den Rücken, stellen Sie die Beine auf, drücken Sie das Becken nach unten – dabei heben Sie es vorne etwas an, spannen Sie die Beckenbodenmuskulatur an.« Wer soll das denn bitte kapieren?
Ich gebe zu, ich bin kein allzu großer Fan vom Beckenbodenmuskel. Aber alle unsere Muskeln sind schließlich Körpergold und damit wert, trainiert zu werden. Auch der olle Beckenbodenmuskel. Also recherchiere ich weiter und finde folgende acht wichtige Dinge über ihn heraus:

1. Du bist ein Mann? Ja, auch Du hast einen Beckenboden!
2. Der Beckenboden schließt unseren Körper mit Binde- und Muskelgewebe nach unten hin ab.
3. Seine Funktionen sind: Heben, Tragen, Öffnen, Schließen, Ausscheiden, Zurückhalten, Anspannen.
4. Eine Geburt, chronische körperliche Überlastung oder Übergewicht sind z.B. Faktoren, die den Beckenbodenmuskel schwächen – hier sollte man tatsächlich über eine gezielte Stärkung nachdenken.
5. Das erklärt auch, weshalb es nach der Geburt im Rahmen der Rückbildungsgymnastik immer ein Beckenbodentraining gibt.
6. Liebesmuskel heißt der Beckenbodenmuskel deswegen, weil ein gut trainierter bei Frauen das Lustempfinden steigern soll und bei Männern die Ausdauer – wodurch bei beiden die Intensität des Orgasmus erhöht wird, so sagt man.
7. Wer an Blasenschwäche leidet, kann durch gezielte Beckenbodenübungen dagegen angehen.
8. Und wer keinen Schimmer hat, wie man den Beckenboden anspannt: Einfach mal beim Urinieren den Fluss unterbrechen – bravo, Du hast es geschafft!

Ansonsten: Bitte beruhigt Euch. Der Beckenbodenmuskel ist ein Muskel wie alle anderen auch. Wer ohnehin fleißig trainiert und sich ein gutes Körpergefühl angeeignet hat – sei es durch Pilates, Yoga, Ganzkörperkräftigungsübungen etc. – kräftigt automatisch auch seinen Beckenboden (insbesondere bei Bauchübungen). Und das heißt: In den meisten Fällen ist es überflüssig, ihn isoliert (also gesondert) trainieren zu wollen. Wer noch Fragen hat, kann ja mal hier klicken. Und hier gibt’s Übungen. Ich hab erst mal echt genug vom Beckenboden und trainier jetzt schön meinen Bizeps. Den sieht man wenigstens.

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Die Unterhose.

Was ist da nur geschehen?
Verzeiht bitte meine Indiskretion – aber: Treibt Ihr mit oder ohne Unterwäsche Sport? Ich frage nur, weil ich neulich eine ungeheuerliche Entdeckung machte. Während meiner Spätschicht im Fitnessstudio. Die Geschichte ist schnell erzählt. Sie ist quasi genauso kurz wie schockierend.
Ich also in meiner Spätschicht. Die Aufgabe des Trainers in der Spätschicht ist es, am Ende des Tages dafür zu sorgen, dass alles schön ordentlich ist, keine Hanteln mehr herumliegen, keine Wasserflaschen herumstehen, die Geräte sauber sind … Kein Problem für mich. Ich mache meinen letzten Rundgang, lasse die Augen wie Argus umherschweifen. Alle Bälle da wo sie sein sollen? Die Matten gerade? Die Gewichte schön aufgereiht? Perfektionisten können in dieser Aufgabe richtig aufgehen. Eine Freude, diese Spätschicht. Ich gehe langsam. Hier, ein Papierschnipsel. Und – was bitteschön ist das? Es ist … – oh mein Gott. Wär ich eine dieser Frauen, die ständig aufkreischen, würde ich es genau jetzt tun. Denn da liegt eine Unterhose. Am Crosstrainer. Alleine – ohne Besitzerin. 
Ich bin sprachlos, weiß fünf wertvolle Minuten lang nicht, was ich tun soll und schüttle darum einfach nur immer wieder den Kopf. Eine traurige Übersprungshandlung. Dann fasse ich mich, streife mir die Einweghandschuhe über und entsorge den Slip. Das war’s. Keine aufregende Story – mag der ein oder andere von Euch denken. Aber ich sage Euch: Seitdem ist nichts mehr, wie es war. Seitdem irre ich nämlich recht konsterniert und völlig verstört durch diese Welt. Ich meine: Was muss passiert sein, dass man seine Unterhose am Crosstrainer zurücklässt? Nein, eigentlich will ich es gar nicht wissen. Und dennoch beschäftigt sich mein Kopf ständig mit dieser Frage. Ich male mir die aberwitzigsten Szenarien aus. Vielleicht steckte die Unterhose in der Hosentasche und fiel einfach heraus. Allerdings: Weshalb sollte jemand einen Slip in der Hosentasche tragen? Ich weiß es nicht. Vielleicht hatte die Besitzerin unglaublich seidig glatte Haut und sie rutschte runter (sorry – ich, das gebrannte Werbekind), durchs Hosenbein hindurch … ja, völlig unrealistisch. Ich weiß. Vielleicht war der Frau zu warm? In meinem Kopf gibt es einfach keine Lösung. Aber vielleicht ja in Eurem. Bitte, so erlöst mich doch – wenn irgendwer zur Klärung dieses Falls beitragen kann, schickt mir eine Nachricht. Gern auch anonym. Vielleicht gehörte sie ja Euch, diese Unterhose. Und vielleicht gibt es eine ganz harmlose Erklärung für alles. Ich wäre unendlich erleichtert! Danke für sachdienliche Hinweise.