Montag, 21. November 2011

Die Spiegel.

Werbetexte müssen gar nicht gut sein. Manchmal
reicht es, wenn sie einen wunden Punkt treffen.
Was viele gar nicht wissen: Im Fitnessstudio kann man richtig was lernen. Zum Beispiel, wie man sich schnell in Sicherheit bringt, wenn unerwartet irgendwo irgendwelche Hanteln herabfallen, Kettlebells oder Medizinbälle ihr Ziel verfehlen oder wenn Menschen plötzlich ausrasten (u.a. weil Geräte besetzt/kaputt/unverständlich/alt/schmutzig sind, die Musik zu laut/leise/doof/langweilig/komisch ist, die Trainer inkompetent/unfreundlich/zu wenig hilfsbereit/aufdringlich/abgelenkt sind). Doch eine der wichtigsten Lektionen, die ich im Fitnessstudio gelernt habe, betrifft die Spiegel. Habt Ihr je gezählt, wie viele Spiegel in so einem Studio hängen? Nein? Ich schon. Es sind um die 26 (dass man sich in den großen Fensterfronten abends auch sehen kann, hab ich außer Acht gelassen). Diese Spiegel können drei ungeheuerliche Dinge mit dir machen:

1. Dich zeigen (so wie du dich kennst)
2. Dich zeigen (so wie du dich auf keinen Fall freiwillig zeigen würdest)
3. Andere zeigen (so wie sie sich auf keinen Fall freiwillig zeigen würden)

1. Dich zeigen (so wie du dich kennst)
Halte ich mich zu lange im Studio auf, fühle ich mich zuweilen ein bisschen so, als würde ich von mir selbst verfolgt werden. Schön ist das nicht. Da denkst du an nix Böses, guckst zur Seite – und DA! Siehst du dich selbst. Manchmal ignoriere ich mich einfach. Gelegentlich aber (meist sehr spät am Abend, wenn kaum mehr Leute da sind), winke ich mir im Vorbeigehen auch schon mal selbst zu. Und dann lächle ich freundlich zu mir zurück. Natürlich haben die Spiegel ihre Daseinsberechtigung. Wir brauchen sie, um zu gucken, ob wir bei der Kniebeuge im Ausfallschritt im rechten Winkel runtergehen. Oder beim vorgebeugten Rudern den Rücken gerade halten. Dann sehen wir uns so, wie wir uns kennen. Aber das ist nicht immer so …

2. Dich zeigen (so wie du dich auf keinen Fall freiwillig zeigen würdest)
Manchmal wirft ein zufälliger Blick in den Spiegel auch Fragen auf:
• Wenn ich meinen Kopf so leicht zur Seite neige und mit den Augen nach unten schaue – dann hab ich ja wohl voll den Schlafzimmerblick. Guck ich immer so?
• Hä? Ich war doch grad beim Frisör, wieso sieht das denn jetzt SO aus?
• Moment mal, das Blau meiner Schuhe passt nicht wirklich zu dem Shirt, oder?
• Warum bin ich heute eigentlich so unglaublich blass?
• Äh, hat eben etwa JEDER mitbekommen, dass ich meine Unterhose zurechtgerückt hab? (Und das waren noch die harmlosen Fragen …)

Dass ich nicht alleine mit meinen Gedanken bin, bewies mir neulich eine Frau.
„Der Spiegel da macht doch fett!“, beschwert sie sich bei mir. Eigentlich wollen wir gemeinsam einen Trainingsplan erstellen, doch jetzt sind wir auf der Suche nach der Stelle am sechs Meter langen Spiegel, die uns am schönsten aussehen lässt. „Da, guck, da seh ich normal aus!“, ruft sie und wir sind beide erleichtert, können wieder aufatmen.

3. Andere zeigen (so wie sie sich auf keinen Fall freiwillig zeigen würden)
Viel lustiger sind die Dinge, die Spiegel mit anderen machen. Du stehst so da, ein bisschen in Gedanken und dein Blick fällt in den Spiegel. Statt dich selbst anzuschauen, guckst du aber mal deinen Nachbarn an. Muhahaha, was macht der denn da? Und was zieht er für ‘ne Grimasse? Oh, er guckt. Schnell wieder so tun, als schaue man nur sich selbst an, was ja voll gelogen ist … Merkt der andere aber gar nicht. Manchmal reiten sich die Leute auch einfach selbst voll rein. Neulich passierte nämlich Folgendes: Ein junger, gut aussehender Typ auf der Trainingsfläche – er ist der letzte Gast – und er glaubt sich ziemlich unbeobachtet. Als ich vorbeilaufe lupft er gerade sein T-Shirt und mustert im Spiegel sehr genau von allen Seiten seine Bauchmuskeln. Dann starrt er mich vom Spiegel aus erschrocken an.
„Ähm, was machst Du da?“, frag ich und bringe ihn ordentlich in Verlegenheit.
„Ich, äh, ich hab mir nur meine Bauchmuskeln angeschaut! Machst Du das nie?“
„Pffff. Nein. NATÜRLICH NICHT!“, ich lache.
Er schaut mich völlig eingeschüchtert weiter über den Spiegel aus an. Hätte er mir direkt ins Gesicht gesehen, hätte er es vielleicht bemerkt. Mein nervöses Zucken über’m Augenlid. Hat er aber nicht. Braver Spiegel. Manchmal sind sie halt doch zu was gut. 

Dienstag, 1. November 2011

Der Kampf im Kopf.

Manchmal sind es simple Tricks,
die motivieren …
Der Herbst ist ein Arschloch. Denn ich will nicht. Dabei will ich immer. Nur jetzt plötzlich nicht mehr. Aus bekannten Gründen, die das Arschloch zu verantworten hat: November. Kalt. Ungemütlich. Düster. Ihr kennt das doch, oder? (bitte sag einer „ja“ …) Statt begeisterte Lauflust, sind da nur zügellose Fressflashs. Ich kämpfe mit mir selbst, bevor ich überhaupt eine Chance habe, in die Sportklamotten zu kommen. Aber nachher sagen zu müssen, ich wollte, aber ich bin nicht, finde ich beschämend. Das gibt mir ‘nen Tritt in den Hintern. Und: Wie soll ich Euch motivieren, wenn ich selbst unmotiviert bin? Eben. Das gibt mir den zweiten Tritt in den Hintern, der mich tief in die Trickkiste greifen lässt. Ich hole meinen Motivationsplan hervor. Der Motivationsplan sagt: Schalte Deinen Kopf aus und mach nur das, was auf dem Plan steht. Ich gehorche. Nummer eins: Kauf neue Sportklamotten! Mein Kopf (er ist ausgeschaltet) will da plötzlich laut mitreden. Vergiss es, ich lass dich nicht! Und so ziehe ich los in den schönsten Sporttempel, den ich kenne. Kaufe die grell blaueste Laufjacke, die die Welt je gesehen hat, neue Laufhosen dazu und hänge mir beides gut sichtbar mitten in die Wohnung. Der Kopf meldet sich etwas schüchtern und sagt „Hey, ich will das anziehen!“ Ruhe, ruf ich. Weiter im Plan. Nummer zwei: Keine Schokolade! „Was, spinnst du?“, der Kopf tickt fast aus. Lass mich doch erst mal weiterlesen im Plan. Nummer zwei: Keine Schokolade, wenn du nicht läufst! Der Kopf entspannt sich wieder. Und ich schau vorsichtshalber noch mal in den Schrank, ob genügend Schokolade da ist. Ja. Klar. Und wenn ich jetzt loslaufen würde, könnt ich gleich anschließend hier noch was platt machen. Chili-Kirsch. Oder die andere da. Gibt ja genügend. Oh, das wär toll. Nicht ablenken lassen. Nummer drei: Sei cool und mach das anders als die anderen! Lass Dir was einfallen. Ab sofort läufst du immer mit zwei verschiedenen Socken. Nur in Shorts. Nur bei Regen. Nur mit Stirnband. Du singst oder summst die ganze Zeit mit (das ist gut, hindert Dich nämlich daran, zu schnell zu laufen). Oder: Dafür entscheide ich mich, laufe, während alle anderen „Bauer sucht Frau“ gucken. Nummer vier: Nimm was mit auf den Weg, was Du gerne hast! Deine Lieblingsmusik, Dein Lieblingshörbuch, Dein Lieblingssportkumpan, Dein Hund. Nummer fünf: Denk nicht drüber nach, mach einfach! Yogastunde, Schwimmen, Intervalltraining, Studio? Pack die Sachen und GEH los! Nummer sechs: Klopf Dir auf die Schulter, wenn Du’s geschafft hast! Das war groß. Du hast gerade Deinen Körper wachgerüttelt, für regen Sauerstoffaustausch gesorgt, die Zellen erfrischt und Deine Muskeln eingesetzt. Wenn das keine lobenden Worte wert sind, weiß ich auch nicht. Nummer sieben: Du kannst Deinen Kopf jetzt wieder einschalten, aber sorg dafür, dass er mitzieht und nicht zu Deinem Gegner wird. Wenn doch, dann greifst auf Nummer acht zurück. Nummer acht: Mail mir! diana.dua@koerpergold.de. Ein paar Tricks hab ich da noch auf Lager. Aber sorry, ich muss los, dem Arschloch Herbst in den Hintern treten.