Dienstag, 26. Juli 2011

Die Beinschleuderer.

Seht Ihr, da läuft einer!
Eigentlich ist Laufen völlig ungefährlich. Eigentlich. Inzwischen habe ich mich längst eines Besseren belehren lassen. Und so kann ich Euch sagen, liebe Läufer, wir sind verdammt mutig. Ja, doch. Sind wir. Ich beweise es Euch mit einer Anekdote. Sie trug sich kürzlich beim Training zu.
Ich. Am Laufen. Ungeheuerlich schnell. Aber voll in Gedanken. Fragen wie „Was werde ich nach dem Laufen Essen?" Und: „Was werde ich nach dem Essen essen?“ treiben mich um. Dabei merke ich gar nicht, wie ich mich in meiner wahnsinnigen Geschwindigkeit unaufhaltsam auf eine gefährliche Gefahrenquelle zubewege. Im Kopf spiele ich derweil alle schnell zubereitbaren Gerichte für den gemeinen (aber verdammt hungrigen, kohlenhydrataffinen) Nahrungsmittelallergiker durch: Reis, Auflauf, Brot, Nudeln … – und dann ist es auch direkt zu spät. Ich bin schon drin. Mittendrin in den Fängen des Monsters: der Staubwolke. Da muss ich erst mal husten. Fürchterlich husten, es ist fast schon ein Keuchen. Was für eine Monsterstaubwolke! Sie ist vielleicht vergleichbar mit diesem heftigen Sandsturm neulich drüben in Arizona. Nur halt irgendwie in Klein – und ich unmittelbar betroffen. Sofort verliere ich die Orientierung. Ich drossle meine Geschwindigkeit und strecke Hilfe suchend meine Hände nach etwas aus, was mir Sicherheit verleiht. Da ist aber nix. Ich greife ins Leere. Wo zum Henker ist noch mal vorne? Frag ich mich. Bis plötzlich neben mir – ganz schwach – ein Fuß erkennbar wird. Ein Laufschuh ist es, ums zu präzisieren. Aber das ist nicht meiner. Ein anderer. Ich fluche, denn augenblicklich ist mir klar, was hier los ist: Ich bin Opfer einer nahezu legendären Läuferkatastrophe. Mann, immer ich, denk ich und reib mir den Staub aus den Augen. Schritt für Schritt kämpfe ich mir einen Weg aus dem Staub hinaus und ziehe an dem Läufer neben mir vorbei. Nein, eigentlich ist es kein Läufer. Es ist einer von denen, deren interkoordinativen Fähigkeiten noch nicht eingespielt sind. Die ihre Beinarbeit noch nicht unter Kontrolle haben und dadurch so ungeheuerlich mit ihren unteren Gliedmaßen umherschleudern und Staub aufwirbeln, dass ein geübter Läufer leicht darin verenden kann. Es ist ein Beinschleuderer.
Nehmt Euch in Acht vor den Beinschleuderern, liebe Läufer. Macht einfach einen großen Bogen um die, lächelt ihnen nett zu, seid freundlich, nehmt Rücksicht, aber seht verdammt noch mal zu, dass Ihr Land gewinnt. Die lernen das schon noch. Irgendwann. Da bin ich mir sicher. Total sicher. Ein paar Kilometer üben und dann haben die den Bewegungsablauf und das Zusammenspiel der Muskeln drauf … Ehrlich. 

Dienstag, 5. Juli 2011

KÖRPERGOLDs Liste der 10 größten Stylingsünden beim Sport.

Der klassische
Ich-bin-nicht-da-Look-Typ.

1. Der Lagenlook
Der Lagenlook ist immer in, irgendwie. Und das ist ja auch kein Wunder – im Winter. Der Lagenlook schützt bei flotten Alsterrunden vor gefährlichen Sturmböen, spontanem Starkregen und Schneegestöber. Doch es gibt Sportler, die den Lagenlook so sehr mögen, dass sie auch im Sommer und im Fitnessstudio nicht ohne ihn können. Man erkennt sie daran, dass sie ein langärmliges Shirt tragen. Darüber dann ein kurzärmliges, ein kurzärmliges, ein kurzärmliges und dann noch eines ganz ohne Arme. Und meist nehmen diese Kollegen nicht nur eine Menge mehr Raum ein als andere, sie schwitzen irgendwie auch wie bekloppt.

2. Der Nix-an-Look
Der Nix-an-Look ist sehr gefährlich. Oft schnellt die Herzfrequenz derer Menschen rapide in die Höhe, die sich in unmittelbarer Umgebung der Nix-an-Look-Träger aufhalten. Erschwerend kommt hinzu, dass man für einen Bruchteil einer Sekunde mit völliger Verwirrung und Blackouts rechnen muss, weil man das schmale Etwas um die Hüfte der Nix-an-Look-Träger (die meist weiblich sind) nicht recht zuordnen kann. In diesen Sekundenbruchteilen kommt es häufig zu Unfällen: Hanteln fallen auf Füße, Medizinbälle werden nicht gefangen … Und erst später, bei genauerem Hinsehen, offenbart sich das schmale Etwas um die Hüfte dann doch als ein echtes Kleidungsstück. Männliche Nix-an-Look-Träger hingegen greifen sehr gern zum engen, hautfarbenen Tanktop. Betreten sie die Bühne des Geschehens, steigt oder fällt die Herzfrequenz allerdings umgekehrt proportional zum Bauchumfang.

3. Der Blender-Look
Der Blender-Look setzt sich wie folgt zusammen: Odlo-Shirt, Nike-Sonnenbrille, Adidas Running-Belt (der z.B. befüllt ist mit PowerBar Iso-Active-Getränken), Reebok-Tights, Asics-Socken und Brooks-Laufschuhe. Das iPhone trägt der Blender lässig um den Oberarm geschnürt – im dafür vorgesehnen iPhone-Sportcase (wasserdicht). Auf dem iPhone ist die Runtastic-App aktiviert. Man selbst kommt sich ganz schlecht vor neben diesem perfekt ausgestatteten Sportlerexemplar. Aber nur so lange er sich nicht bewegt. Läuft er los, entlarvt er sich selbst als blutiger Laie: wild schleudert er mit den Armen, der Oberkörper ist viel zu weit vorgelehnt und dann stolpert er auch noch über seine eigenen Füße. Aber den Marathon, den läuft er trotzdem nächste Woche. Sorry, vielleicht solltet Ihr in Eurem Blender-Look einfach mal den Weg frei machen, in den No-Sports-Look (s.u.) schlüpfen und dann mal mit dem Training anfangen. Okay? Ja, danke.

4. Der Hip-Hop-Look
Der Hip-Hop-Look ist supercool, superlässig und voll gediegen. Gewesen. Und zwar in den 90ern, wo Jogginghose, Kapuzenpulli und Basecap unerlässlich waren. Das einzige, was die Sportler im Hip-Hop-Look nicht mehr haben, ist ein geschulterter Ghettoblaster. Wohl, weil das mit den Klimmzügen dann irgendwie noch anstrengender werden würde. Darum tragen sie stattdessen riesige bunte Kopfhörer, die total super sind, weil ihre ganze Umgebung mithören kann. Enttäuschend ist dann allerdings, wenn da noch nicht mal Hip-Hop rauskommt, sondern HP Baxxter oder Rhianna – Musik, die wirklich JEDER Fitnessstudiobesucher gerne hört. Merci dafür.

5. Der No-Sports-Look
Der No-Sports-Look ist die Uniform des Sporteinsteigers. Er hat sich ein Ziel gesetzt. Und das wird er erreichen – um jeden Preis: Bis zum Urlaub müssen die zehn Kilo runter. So schwer kann das ja nicht sein. Alkohol nur am Wochenende, Burger dann halt jeden zweiten Tag und ein bisschen Bewegung – dann klappt das auch. Blöd nur, dass da kein passendes Outfit im Schrank ist. Und für die paar Wochen, lohnt sich eine Neuanschaffung nicht. Weil der Speck weg muss, gehen ja auch locker diese XXL-Sweater und Jogginghosen aus vergangenen Jahrzehnten, die da irgendwo in der hintersten Ecke im Schrank verweilen. Passt – und ab dafür. Nur einen Tipp möchte ich Euch gerne mit auf den Weg geben: Es kann ganz schnell passieren, dass man sich in so einem ungeheuerlich großen Hosenbein verfängt. Echt. Ist mir mit den Schlaghosen früher auch mal passiert.

6. Der Ich-bin-nicht-da-Look
Der Ich-bin-nicht-da-Look hat etwas ganz Possierliches. Sein Träger, also der Ich-bin-nicht-da-Look-Typ, hasst Fitnessstudios abgrundtief und es ist ihm wahnsinnig peinlich überhaupt da zu sein. In der Hoffnung, nicht gesehen zu werden, heftet er seinen Blick konsequent auf den Boden und versteckt sich in möglichst unauffälliger Kleidung. Weite Schnitte sind ein Muss. Die Farben decken sich in der Regel mit der natürlichen Umgebung. Wenn sein Outfit ähnlich wirkt wie die Studioeinrichtung, dann ist der Ich-bin-nicht-da-Look-Typ glücklich. Sein Haupt steckt übrigens meist unter einer grauen oder schwarzen Kapuze oder unter einem Basecap. Und das ist auch gut so.

7. Der Cindy-aus-Marzahn-Look
Viel muss man zum Cindy-aus-Marzahn-Look nicht sagen. Nur, dass er auch Hello-Kitty-Look heißen könnte und man sich wundert, wie viele Fans er bei den über 40-Jährigen hat. Warum, ist bislang ungeklärt. Entschuldigung? Die Farbe Pink ist einfach out, sobald man über acht ist. Es wäre so schön, wenn das mal endlich ein allgemeingültiges Gesetz werden würde.

8. Der Camouflage-Look
Der Camouflage-Look ist ziemlich out. Am outesten, eigentlich. Wo man ihn vor einigen Jahren noch cool zur Party tragen durfte (das war in den Zeiten, da Mel B auch noch irgendwie cool war), ist er heute wieder nur den Leuten vorbehalten, die beim Militär arbeiten. Und das sind ja nun nicht mehr allzu viele. Was vielleicht erklärt, weshalb der Look so unendlich out ist.

9. Der Business-Look
Der Business-Look wirft in erster Linie Fragen auf: Sind das Turnschuhe? Man weiß es nicht genau, aber das Schuhwerk des Business-Look-Typen erinnert an die Slipper von Sonny & Rico (zur Erinnerung: das waren die Typen von Miami Vice). Er trägt außerdem ein Polohemd, bei dem man ständig das Gefühl hat, es fehlt etwas. Entweder der Reiter mit dem Poloschläger oder die Krawatte – vielleicht auch beides. Auch die Frisur ist grenzwertig: Sind die Haare nass? Nein, es scheint eine Gelfrisur. Na, immerhin kann da nichts verrutschen, wenn der Business-Look-Typ beim Crosstrainer in einem Anflug von Risikobereitschaft den Schwierigkeitslevel von eins auf zwei stellt. Bitte Vorsicht, dass dabei nicht der teure Siegelring vom Finger rutscht.


10. Der Farben-Wirrwarr-Look
Der Farben-Wirrwarr-Look tut weh. Und zwar im Auge. Warum genau muss man Lila zusammen mit Grün und Gelb tragen? Was haben wir getan, weshalb wir Altrosa, Orange und ein merkwürdig ausgebleichtes Braun ertragen müssen? Ich weiß Grün ist die Farbe der Hoffnung, aber wieso muss es Neon sein? Ja, Rot ist eine Signalfarbe, aber was genau wollt Ihr Farben-Wirrwarr-Look-Träger uns mitteilen? Dass Miracoli fertig ist, wenn ihr mit diesen leuchtenden Schuhen wieder nach Hause kommt? Ich würde für Euch so gerne mal ein Date mit dem Ich-bin-nicht-da-Look-Typen arrangieren. Vielleicht geht da was. Also mich würd’s freuen.