Dienstag, 24. Mai 2011

Sportsfreunde.

Voll in die Offensive gehen –
manchmal gar nicht so übel.
Meine heißt Katharina. Die von meiner Freundin Saskia Jana. Und dann gibt’s da noch Jörg, den Indoor-Cycler. Yünis darf ich nicht vergessen. Und ich bin sicher, es gibt noch eine ganze Menge mehr auf dieser Welt: Sportsfreunde nämlich. Eigentlich kennt man sie nicht wirklich, aber man trifft sie regelmäßig wieder. Sei es im Kursraum beim Yoga, Pilates, Bodypump, auf dem Laufband neben dem eigenen oder auf dem Crosstrainer. Sportsfreunde lauern quasi in allen Ecken der Fitnessstudios. Man muss nur die Augen aufmachen. Nein, kennen tut man sie nicht, aber weil man ihnen immer und immer wieder begegnet, gehören sie doch unbedingt dazu. Und dann plaudert man so locker und lässig daher, ganz unverkrampft als würde man sich doch schon ziemlich gut kennen. Kurz: Man amüsiert sich zusammen – so, wie man es mit echten Freunden auch tut. Ich wär traurig, wenn Katharina nicht ab und an das Laufband neben mir besetzen und spannende Geschichten aus ihrem Leben erzählen würde. Und weil die Geschichten wirklich so spannend sind, haben wir uns kürzlich verabredet. Also richtig. Außerhalb des Studios. Und das war sehr nett. Mindestens so nett wie die wiederkehrende Szene bei den harten Muskeljungs, die einfach wortlos beim Bankdrücken Hilfestellung leisten und anschließend miteinander ins Gespräch kommen, um sich dann beim Gehen anerkennend auf die Schultern zu klopfen. Sportsfreunde eben. Oder wie die beiden Mädels in der Umkleidekabine (schon wieder … tut mir leid):
„Tschüss, dann bis nächste Woche!“
„Ja, bis dann.“
„Und einen schönen Abend noch …!“
„Ja, Dir auch … und lass Dir das Sushi schmecken!“
„Auf jeden Fall. Und Du viel Spaß bei der Massage!“
„Bis nächste Woche … wird bestimmt wieder anstrengend!“
„Jau, hoffentlich nicht!“
Endlich. Sie trennen sich.
Ich bleibe zurück und lächle still in mich hinein, weil klar ist, dass sich auch da zwei Sportsfreunde gefunden haben. Ohne, dass sie je nacheinander gesucht hätten. Das ist doch schön – finde ich. Vielleicht sollten die beiden auch mal was unternehmen, das gar nichts mit Fitnessstudio zu tun hat. So wie Katharina und ich. Hab ich erwähnt, dass wir bei unserem ersten „richtigen“ Treffen unsportlich viel Wein getrunken haben? Nur so am Rande. Denn eine Woche später waren wir wieder ziemlich sportlich unterwegs. Nebeneinander laut scherzend auf unseren Laufbändern. So wie’s sich gehört. 

Mittwoch, 11. Mai 2011

Computer, Computer.

Wir schreiben das Jahr 2011.
Ein Laufband. Ein Touchscreen. Scotty, bitte hilf mir!
Wow, wie abgefahren – denke ich, als ich zum ersten Mal das Fitnessstudio betrete und mich völlig verloren fühle. Neue Laufbänder! Hallo – wo ist mein Laufband A? Es ist weg! Und ich bin traurig. Stattdessen glänzen da nagelneue Hightech-Geräte mit Touchscreen. Natürlich bin ich skeptisch. Kein Gerät ist mir so lieb wie das gute alte Laufband A (wo mag es nun sein?). Aber es hilft ja nix, ich hab keine Wahl und so gehe ich auf Tuchfühlung mit der spacigen Technogym-Neuheit. Die ist ZIEMLICH neugierig. Mein Alter hätt sie gern gewusst. Ich guck mich erst mal um, ob mich auch keiner beobachtet, wie ich „24“ eingebe. Mein Gewicht (das ist freiwillig …) will das Laufband wissen. Und meine Ziele. Ist ja wie bei der Volkszählung! Nach 20 Minuten auf dem Bildschirm herumtippen, fange ich auch endlich an zu laufen und – bin entzückt. Toll. Kein Wackeln, kein Schlingern. Übersichtliche Anzeige. Und ganz wichtig: Es gibt einen integrierten Ventilator! Den kann man gut gebrauchen, wenn man eingepfercht ist zwischen wem, der mittags Döner mit extra Zwiebeln hatte und einem zwei Meter Mann, dessen Shirt schon nach zwei Minuten so schweißgetränkt aussieht, als hätte er damit geduscht. Oh ja, ich liebe Sport!
„ACHTUNG: ERHÖHTE HERZFREQUENZ!“ – Erschrocken zucke ich zusammen, als sich das Laufband bei mir meldet. Klar: Jetzt steigt meine Herzfrequenz erst recht. Aber da seh ich das: einen iPod-Anschluss. Ach, ist ja toll. Ich schließe meinen iPod an und kann jetzt ganz bequem Musik über den Touchscreen auswählen. Das gefällt mir. Mein Nebenmann lacht still vor sich hin. Hat er etwa gesehen, dass ich zu Roxette gesprungen bin? Verdammt! Mit Datenschutz ist hier nicht viel. Das merk ich auch, als meine Endstatistik auf dem Monitor erscheint und plötzlich wer neben mir steht und fragt: „Du, sag mal, trainierst Du für den Marathon?“ 
Ich versuche nicht genervt zu gucken und suche auf dem Touchscreen den Knopf, mit dem ich mich schnell mal eben zu Scotty hochbeamen kann. Den haben die bei Technogym aber irgendwie vergessen … Frustriert wähle ich einen letzten Song, bevor ich geh.