Donnerstag, 17. März 2011

Ed und ich.

Darf ich vorstellen? Mein Modelabel.
Es hat sogar eine eigene Designerin:
IzaIza
Ich mag ihn nicht. Und was er beim Sport zu suchen hat, weiß ich auch nicht. Er tut meinem Auge weh und ich fühle mich von ihm belästigt. Zum Glück scheinen aber immer mehr Leute mit ihm zu brechen. Wahrscheinlich geht’s denen so wie mir: Sie können das ganze schrill-bunte Herz-Totenkopf-Schnörkel-Gedöns nicht mehr sehen. In Wahrheit kann ich es nicht nur nicht mehr sehen, ich krieg schon fast das große Brechen, wenn ich irgendwo wen im Ed-Hardy-Shirt sehe. Vor mir auf dem Crosstrainer zum Beispiel. Die Dame mit dem Ed-Hardy-Label auf dem Hintern. An ihrer Stelle wär ich da vorsichtig, ehrlich. Aber was sorge ich mich. Herz-Totenkopf-Schnörkel-Gedöns ist ohnehin out. In ist jetzt Seemöwe. Hollister Co. Nein, ich enthalte mich eines Urteils. Ich sag nur: Die Sachen machen sich ganz gut auf der Beinpresse und am Rudergerät. Aber man ahnt es: Auch der Hollister-Schriftzug und die Seemöwe werden irgendwann tierisch nerven, weil sie einfach überall sein werden. Der typische Fall von Label-Overkill – er wird kommen. Ich kenn das. So war das einst auch mit der ollen Fishbone-Fischgräte, Van Dutch, Fubu und dem ganzen Kram. Gut. Allesamt irgendwie doofe Labels. Ja, ich gebe zu: Das ist natürlich eine wahninnig subjektive Sache. Manch andere Marken nerven mich hingegen nämlich gar nicht. Selbst dann nicht, wenn ich sie oft sehe. Vielleicht, weil sie trotzdem diskret sind (was ein Totenkopf niemals sein wird). Vielleicht ist es das, was dahinter steckt. Eine schöne Story, eine ganze Historie und Sportsgeist wie bei Nike. Eine ganze Lebenseinstellung wie bei Billabong. Ein besonderes Hobby wie bei Vans. Aber grundsätzlich ist es immer schön, wenn man pro Trainingseinheit ein Modelabel nicht allzu häufig trifft. Und deswegen hab ich gerade eben beschlossen, ich mach ab jetzt mein ganz eigenes. Aber nur für mich allein. So. Ich werde erhaben aufs Laufband steigen mit einem Unikat am Leib. Stolz und erhobenen Hauptes werde ich durch den Stadtpark streifen, weil ich weiß, dass dieses Shirt nur ein einziges Mal (1 x) auf der ganzen weiten Welt getragen wird. Nämlich von mir! Und dahinter steckt: eine schöne Story, eine Historie und Sportsgeist. Eine ganze Lebenseinstellung. Und ein besonderes Hobby. Für mich zumindest.

Freitag, 4. März 2011

Manche mögen Schweiß.

Panta rhei – alles fließt. Aus dir heraus.
Hatha, Anusara, Raja, Karma, Bhakti, Gnana, Ananda, Patanjali, Ashtanga, Ivengar, Vinyasa, Jnana. Bikram. Keine Sorge, mir geht’s gut. Zumindest so lange, bis ich versuche, diesen Begriffen Inhalte zu geben. Die Aufzählung unterschiedlicher Yoga-Stile ließe sich bis übermorgen fortführen. Doch ich will Euch nicht langweilen. Ich, eine Yoga-Null, auf dem Weg, die fremde Welt zu erkunden, bin ein paar kleine Schritte weitergekommen: Kundalini hat was mit der Lebensenergie zu tun, mit fließenden Bewegungen und wechselnder Nasenlochatmung. Ashtanga wird von Sting und Madonna praktiziert. Und Bikram … ja, Bikram ist was ganz was Besonders. Eigentlich genau was für mich. Darum: Auf zum Selbstversuch!

Bikram Choudhury ist ein lustiges Kerlchen. Ein bisschen sieht er aus wie der indische Guildo Horn. Nur reicher ist er. Denn sein Yoga-Stil kommt ziemlich gut an, weshalb er inzwischen auch rund 40 Rolls-Royce und Bentleys sein eigen nennen darf. Dabei ist die Idee, die Übungen, die Asanas, unter 35–40 °C auszuführen, nicht wahnsinnig weltbewegend. Finde ich. Die Hitze regt die Schweißproduktion an. Die Entgiftung des Körpers wird gefördert, der Stoffwechsel wird angeregt und Stress abgebaut. Man wird richtig biegsam und gelenkig. Das ist toll. Das mit dem Schweiß ist nicht so toll. Dabei hab ich gegen Schwitzen gar nicht wirklich etwas einzuwenden. Mein Problem ist, dass die eigentliche Verwendung des Wortes Schwitzen nichts mehr gemein hat mit dem Schwitzen beim Bikram-Yoga. Es sprengt das Maß aller Dinge! In den ersten 30 Minuten ist alles gut – wenn auch wahnsinnig anstrengend, ob der hohen Luftfeuchtigkeit im Raum. In den darauf folgenden 60 Minuten kämpfe ich mit sturzbachartigen Schweißausbrüchen. Ich bemühe mich um Contenance und begebe mich tapfer in den Krieger und in den Hund. Dabei freue ich mich, dass sich die Bewegungsamplitude meiner Gliedmaßen um gefühlte 80% vergrößert hat. Wow, denk ich noch, aber dann geht’s direkt los: Ich soll mein rechtes Bein festhalten. Funktioniert nicht, es rutscht mir aus der Hand! Und schon entpuppen sich die Asanas auf der matschigen Yogamatte mit dem schweißdurchtränkten Handtuch obendrauf als selbstmörderische Stunts. Alles fließt und glitscht. Eitel darf man dabei wirklich nicht sein – ich versuche mich trotz der Temperaturen nachsichtig freundlich in einem der vielen Spiegel mir gegenüber anzulächeln. Ein Versuch war’s wert.

Aber hey, auf dem Nachhauseweg fühle ich mich grandios. Erschöpft, aber großartig. Mein Kopf ist frei – viel Raum für neue Ideen. Und ich denke darüber nach, ob sich Schokoladen-Yoga irgendwie vermarkten ließe. Asanas im Schokoladenbad? Im heißen Schokobad! Wäre zwar ‘ne echte Sauerei, aber viel anders ist das beim Bikram auch nicht.

P.S.: Ein schöner Tipp für alle, die noch auf der Suche sind: