Montag, 13. Dezember 2010

In der Umkleidekabine. Teil 1.

Leer ist sie am schönsten – die Umkleidekabine
Fitnessstudios sind schon sehr speziell. Ich weiß, ich sollte das jetzt nicht sagen. Aber: Richtig Freundschaft geschlossen habe ich mit ihnen noch nicht. Und das liegt nicht etwa an der Tatsache, dass hier zu viel Schweiß in der Luft hängt, die Geräte zu eng beieinanderstehen, die Beleuchtung fies oder die Musik mäßig ist. Auch die oft grenzwertigen Hygienebedingungen sind nicht daran schuld. Nein. Der Grund liegt woanders. Genauer: in der Umkleidekabine. Mein persönlicher Ort des Grauens. Ja, jetzt ist es raus. Ich fürchte mich vor Umkleidekabinen. Ehrlich! Ich bin eher nacktheitsunbegeistert und beim Durchgehen würd ich einfach gern die Augen schließen. Die Gefahr, dass ich dabei dann allerdings direkt mit einem paar nackter Brüste zusammenpralle, erhöht sich umgekehrt proportional zu dem Faktum, dass mich so in Zukunft alle für völlig bescheuert halten. Also lass ich die Augen auf, hefte sie aber auf den Boden – so lange, bis ich vor einem geeigneten Spind stehe. Aufatmen. Umziehen. Ganz fix. Die Zeitspanne, in der ICH nackt in einer Umkleide stehe, würde manch einem nicht mal zum Luftholen reichen. Neulich aber, da kam ich nicht sehr weit. Ich hatte gerade meine Tasche ausgepackt, dann: „Hey, coole Turnschuhe!“ Ja, will ich sagen, finde ich auch, erschrecke mich aber zu Tode, als ich mich einer Nackigen gegenübersehe. Im Gegensatz zu mir macht ihr das aber nix aus! So überhaupt gar nix. Ich überlege kurz, wie unhöflich es wohl wäre, einfach nicht zu reagieren. Ja, doch, wäre unhöflich. „Mir gefallen sie auch. Die sind von daundda.“, sag ich und weiß nicht, wohin ich gucken soll, versuche die Ratlosigkeit durch ein möglichst sympathisches Lächeln wieder wettzumachen. Fehler! Die fremde Frau fühlt sich dazu animiert, munter drauf loszuplappern. Und weil ICH mich NICHT vor ihr nackig machen will, aber auch nicht gar nichts tun und erst recht nicht sie angucken will, tu ich so, als suche ich was in meiner Tasche, die so winzig ist, dass man in Wirklichkeit gar nichts darin verlieren könnte. „Ja, also in denunden Schuhen hat man viel bessere Stabilität …“, sagt sie und kommt näher. Als ich zurückweiche trete ich einer anderen Nackten fast auf die lackierten Zehnnägel. Rot. Signalfarbe. Löst irgendwas in mir aus. „Also – wir reden wieder, wenn Du angezogen bist!“, sag ich, sperre den Spind zu und eile davon.
Okay.
Das war gelogen.
Die Wahrheit ist: Ich hab gar nix gesagt, den Spind zugesperrt, verzweifelt gelächelt und bin davongeeilt.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hehe, das kenne ich auch. Die exhibitionistische Neigung in der Umkleide von so manchen erschließt sich mir nicht so recht.

Anonym hat gesagt…

Es geht aber noch schlimmer und zwar wenn man unter der Dusche von jemanden angesprochen wird, und diese Person sich dabei völlig ungeniert den Intimbereich rasiert! Nein, sowas möchte nun wirklich nicht sehen. Manchmal denk ich mir, ich sollte lernen unhöflich zu sein :/

KÖRPERGOLD hat gesagt…

Ach, Du meine Güte! Wie hast Du da reagiert?
Höflichkeit ist schon was sehr Cooles, aber hin & wieder machen es einem andere echt schwer, nett zu bleiben …

Anonym hat gesagt…

Am schlimmsten finde ich die, die in der Sauna im Schneidersitz schwitzen... Kann mir das mal jemand erklären? Methode: Wie zeige ich möglichst alle Details meines nackten Körpers.... Und dann die, die so Schmatzgeräusche mit ihrem Schweiß machen. Iiih!

KÖRPERGOLD hat gesagt…

Na, da hab ich doch direkt schon das Thema für den nächsten Blog-Eintrag!